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Ökomodulation im französischen EPR-System

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Seit dem 1. Januar 2026 ist die sogenannte Eco-Fee-Modulation (deutsch: Ökomodulation) Bestandteil des französischen EPR-Systems (Extended Producer Responsibility). Dahinter steckt ein klarer politischer Ansatz: Der Einsatz von Rezyklaten soll gezielt gefördert und gleichzeitig die Qualität von Recyclingmaterialien gesichert werden.

Damit sind die Kosten für EPR nicht länger statisch, sondern hängen zunehmend davon ab, wie nachhaltig Produkte und Verpackungen gestaltet sind. Frankreich setzt dabei auf ein Bonus-Malus-System. Wer weiterhin stark auf Primärkunststoffe setzt, muss mit höheren finanziellen Belastungen rechnen. Unternehmen, die hingegen Rezyklate einsetzen, können ihre EPR-Kosten aktiv reduzieren.

Wichtig: Diese Regelungen betreffen nicht nur französische Hersteller:innen. Auch Importeur:innen, Onlinehändler:innen und grenzüberschreitend tätige Unternehmen fallen unter die Vorgaben, sobald sie relevante Produkte auf dem französischen Markt in Verkehr bringen.

 

Was bedeutet Ökomodulation im EPR-Kontext?

Ökomodulation beschreibt einen Mechanismus, bei dem EPR-Gebühren an ökologische Kriterien gekoppelt werden. Konkret heißt das: Die Höhe der Beiträge richtet sich danach, wie umweltfreundlich ein Produkt oder eine Verpackung ist.

Ziel ist es, wirtschaftliche Anreize zu schaffen. Unternehmen sollen motiviert werden, ihre Produkte kreislauffähiger zu gestalten, indem nachhaltigere Lösungen finanziell belohnt werden. Gleichzeitig steigen die Kosten für weniger umweltfreundliche Alternativen.

In Frankreich wurde dieses System durch eine Verordnung aus September 2025 konkretisiert. Anders als in anderen regulatorischen Ansätzen – etwa auf EU-Ebene – erfolgt die Differenzierung nicht über unterschiedliche Gebührensätze. Stattdessen wird ein Bonus gewährt, der sich direkt am eingesetzten Rezyklatanteil orientiert.

Welche Produkte sind betroffen?

Nicht alle Produktkategorien im französischen EPR-System unterliegen aktuell der Ökomodulation. Der Fokus liegt auf acht ausgewählten Bereichen, die sowohl Konsumgüter als auch gewerbliche Anwendungen umfassen.

Dazu gehören unter anderem Verpackungen aus dem Haushaltsbereich, grafische Papiere, Elektro- und Elektronikgeräte sowie Möbel, Spielwaren oder Sportartikel. Auch B2B-Verpackungen, bestimmte chemische Produkte und DIY- bzw. Gartenartikel sind einbezogen.

Für viele Unternehmen ergibt sich daraus eine doppelte Relevanz: In einigen Fällen wird sowohl das Produkt selbst als auch dessen Verpackung erfasst. Entsprechend steigt die Komplexität der Anforderungen, insbesondere, wenn kein Rezyklat eingesetzt wird.

 

Wer muss die Regelungen beachten?

Grundsätzlich gilt: Die Ökomodulation betrifft alle Unternehmen, die bereits unter die erweiterten Herstellerpflichten in Frankreich fallen.

Das umfasst klassische Hersteller:innen ebenso wie Importeur:innen, Händler:innen mit Eigenmarken und – je nach Konstellation – auch Distributoren. Entscheidend ist nicht der Unternehmenssitz, sondern ob Produkte auf dem französischen Markt bereitgestellt werden.

Damit geraten auch viele international tätige Unternehmen in den Anwendungsbereich. Gerade im E-Commerce oder im grenzüberschreitenden Vertrieb sollten die Auswirkungen daher frühzeitig geprüft werden.

 

So funktioniert das Bonussystem

Im Zentrum steht ein finanzieller Anreiz: Unternehmen erhalten einen Bonus, wenn sie recycelte Kunststoffe einsetzen. Die Höhe dieses Bonus orientiert sich direkt an der eingesetzten Menge an Rezyklat und wird pro Tonne berechnet. Dabei wird unterschieden, aus welcher Quelle das Recyclingmaterial stammt und wie hochwertig es ist.

Besonders gefördert wird der Einsatz von Rezyklaten, die aus schwer recycelbaren Abfällen gewonnen werden oder wieder im gleichen Produktstrom eingesetzt werden. Diese Differenzierung soll gezielt Innovationen im Recyclingbereich fördern und geschlossene Materialkreisläufe stärken.

Finanziert wird das System vollständig über die EPR-Beiträge aller verpflichteten Unternehmen.

Wann gibt es einen Bonus und wann nicht?

Ob ein Unternehmen tatsächlich von der Ökomodulation profitiert, hängt nicht nur von der Menge des eingesetzten Rezyklats ab, sondern auch von weiteren Faktoren.

Grundsätzlich wird der Bonus ausschließlich auf Basis des tatsächlich verwendeten Rezyklatanteils berechnet, unabhängig vom Gesamtgewicht des Produkts. Gleichzeitig gelten bestimmte Einschränkungen.

So gibt es für einige Verpackungsarten, insbesondere Getränkeflaschen, festgelegte Mindestanteile an Rezyklat. Ein Bonus wird hier nur für den Anteil gewährt, der über diese Schwellen hinausgeht. Diese Vorgaben orientieren sich an europäischen Regelungen wie der Einwegkunststoffrichtlinie.

Darüber hinaus spielt die Qualität des Rezyklats eine entscheidende Rolle. Materialien, die schwer recycelbar sind oder den Recyclingprozess beeinträchtigen, werden nicht berücksichtigt. Auch ineffiziente Recyclingverfahren oder problematische Materialkombinationen können dazu führen, dass kein Bonus gewährt wird.

 

Welche Rolle spielen französische Öko-Organisationen (éco-organismes)?

Die Umsetzung der Ökomodulation liegt in den Händen der éco-organismes. Sie sind dafür verantwortlich, die Daten der Unternehmen zu prüfen, Bonuszahlungen zu berechnen und die Einhaltung der Vorgaben sicherzustellen.

Für Unternehmen bedeutet das einen erhöhten Nachweisaufwand. Wer von den finanziellen Vorteilen profitieren möchte, muss unter anderem den Rezyklatanteil transparent ausweisen, die Herkunft dokumentieren und die Qualität des Materials belegen.

Auch interne Prozesse gewinnen an Bedeutung: Von der Beschaffung über die Produktentwicklung bis hin zur Compliance müssen verschiedene Abteilungen zusammenarbeiten, um die Anforderungen zu erfüllen.

 

Welche Auswirkungen hat das auf Unternehmen?

Mit der Einführung der Ökomodulation verändert sich die Rolle von EPR-Kosten. Sie werden zunehmend zu einem strategischen Faktor, der aktiv gesteuert werden kann.

Unternehmen, die auf recycelte Materialien setzen und ihre Lieferketten entsprechend ausrichten, können ihre Kosten optimieren und regulatorische Risiken reduzieren. Es kann klarer Impuls sein, sich intensiver mit Produktdesign, Materialwahl und Recyclingfähigkeit auseinanderzusetzen. 

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